5 Jahre unabhängiger, internationalistischer Block
Aufruf zur 1. Mai-Demonstration

Alle reden vom neuen Jahrtausend. Alles wird besser, die Welt wächst zusammen, alles wird neu. Doch diese tolle bunte Warenwelt bietet immer weniger Menschen Aussicht auf eine le

benswerte Zukunft.

Armut...
In Deutschland sind mindestens 5 Millionen Menschen, in der EU über 30 Mio. Menschen arbeitslos. Immer mehr Menschen sind auf Sozialhilfe angewiesen, vor allem Frauen mit Kindern. Uber 1 Mio. Leute in der BRD sind obdachlos. Weltweit leben 1,3 Milliarden Menschen in absoluter Armut. Uber 40 Millionen (!) sterben jährlich an den Folgen mangelnder Ernährung.

...vs. Reichtum
Gleichzeitig haben die deutschen Unternehmen ihre Gewinne in den letzten 15 Jahren fast verdoppelt, wie auch das Wirtschaftswachstum der Industrienationen sich verdoppelt hat. 0,04 % der Weltbevölkerung teilen sich die Hälfte des globalen Reichtums. Die restlichen 99,6 % teilen sich die andere Hälfte.
Soweit, so schlecht. Während viele den Gürtel immer enger schnallen, kriegen manche ihn kaum noch zu. Das ist die Klassengesellschaft. Doch die gibt es ja angeblich nicht mehr. Stattdessen werden ganz andere Zugehörigkeiten wichtig genommen:

“Deutsche“ und “Ausländer“...
so hört man es überall. Und so interessiert es auch keinen von “den Deutschen“, was es heißt, als MigrantIn in der BRD zu leben. Nämlich die ständige Schikane von PolizistInnen, die alltäglichen rassistischen Pöbeleien, der Streß mit den Behörden und für viele die Illegalität und die ständige Angst vor Abschiebung im Nacken. Es ist inzwischen fast wahrscheinlicher, im Lotto zu gewinnen, als Asyl in Europa zu bekommen. Hunderte sterben jährlich bei dem Versuch, unentdeckt nach Europa zu kommen. Doch das “Das-Boot-ist-voll“-Gerede schafft genau das rassistische Klima, das immer wieder zu rassistischen Übergriffen oder gar zu Pogromen wie in Rostock, Hoyerswerda oder im Februar in El Ejido (Südspanien) führt.

...“Bürger“ und “Asoziale“...
Brave Staatsbürger gehen arbeiten und verstoßen nie gegen das Gesetz. Obdachlose, Punx und Junkies, die aus dem “Rahmen“ fallen, weil sie keine Kohle haben, auf Droge sind oder einfach keinen Bock auf den ganzen Scheiß haben, kriegen das zu spüren. Bullen und private Sicherheitsdienste lassen keine Ruhe, mißliebige Menschen aus Einkaufsmeilen, Bahnhöfen, ... zu vertreiben. ...

“Gesunde“ und “Kranke“ ...
Der Kapitalismus braucht arbeitsfähiges Menschenmaterial. Wer in dieser Gesellschaft nicht leistungsfähig ist, gilt als krank. Wer als „behindert“ abgestempelt wird, wer (verständlicherweise) auf die Welt nicht mehr klar kommt oder einfach zu alt ist, wird in Heimen oder Anstalten weggesperrt und - wenn überhaupt - völlig unzureichend behandelt, therapiert, gepflegt oder gefördert.

...“Männer“ und “Frauen“...
Männer sollen HERRschen, stark und unabhängig sein, Frauen emotional und nachgiebig. Die Rollenvorgaben sind alt aber leider immer noch aktuell. Auch die “modernen Softies und Powerfrauen“ haben nichts am patriarchalen Alltag geändert, sie sind nur die scheinbare Umkehrung. Und so ist auch Männergewalt alltäglich. Als sexistische Anmache, Vergewaltigung und als Gewalt gegen alle, die nicht dem Rollenbild entsprechen: Lesben, Schwule, Transsexuelle, Feministinnen, ..

Und wer profitiert wirklich von alledem?
Die HERRschenden,... die Bosse, Vermieter, Politiker, die stinkreich werden, ohne daß es ihnen unangenehm sein muß. Der “Pöbel“ paßt schließlich schon selbst ganz gut auf sich auf. ... und die Nazis FaschistInnen haben wieder Zulauf. Sie verkörpern die brutalste Form von Ausgrenzung und Konkurrenzdenken. Sie sind die “gesunden deutschen Bürger“, die genau die angreifen, zusammenschlagen und ermorden, die von der deutschen “Gesellschaft“ zu “Randgruppen“ gemacht wurden - MigrantInnen, “Behinderte“, Obdachlose und Punx.

Und was ist mit dem l.Mai?
Der l.Mai ist seit über 100 Jahren der internationale Kampftag der Ausgebeuteten und Unterdrückten. In der BRD ist der l.Mai vor allem ein „Feiertag“ der Gewerkschaften. Wir wollen ihn wieder zu einem Kampftag der ganzen ArbeiterInnenklasse machen, also auch der “ausländischen“, „kranken“, „asozialen“. Denn wir wollen gemeinsam für unsere Rechte kämpfen. Unsere Rechte als MigrantInnen, als Frauen, als Arbeitslose, als JobberInnen, als SchülerInnen, als “Behinderte“, als Menschen. Unser Recht auf genug Geld zum Leben, auf eine menschenwürdige Existenz, auf zumutbare Arbeit; unser Recht, dort zu leben, wo wir wollen; das Recht, uns zu wehren - gegen rassistische Angriffe, gegen Männergewalt. Unser Ziel ist aber nicht nur eine Lohnerhöhung, damit die 40-Stunden-Woche irgendwann genug für ´ne Doppelhaushälfte abwirft. Auch keine Frauenquote, damit wir “gleichberechtigt“ am Patriarchat mitarbeiten können. Wir wollen gleiche Rechte für ALLE, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Sexualität, ... Unser Ziel ist eine Welt, in der der Reichtum gerecht verteilt ist. Wo wir unser Leben selbst bestimmen können, ohne Zwang und Leistungsdruck. Wo nur die notwendige Arbeit gemacht wird und viel Zeit zum Leben bleibt. Wo wir solidarisch miteinander leben, ohne sexistische Unterdrückung, Konkurrenzdenken und Rassismus.

Und in Oldenburg?
Zum fünften Mal organisiert das Bündnis „Streichen bei den Reichen!“ einen unabhängigen, internationalistischen Block auf der 1.Mai-Demo des DGB in Oldenburg. Wir wollen damit an die kämpferische Tradition des 1.Mai anknüpfen und Position beziehen gegen das Sozialpartnerschafts- und nationalistische „Standort Deutschland“-Gelabere der Gewerkschaftsfunktionäre. In den letzten beiden Jahren konnte ein Rederecht auf der Bühne des DGB durchgesetzt werden. Dieses Jahr nun wurde es ohne Begründung verweigert. Kritik von links scheint beim DGB nicht gern gesehen. Wollen sie sich der Frage entziehen, weshalb sie sich 1999 entsolidarisierten, als der unabhängige Block einen Aufmarsch von 50 FaschistInnen auf dem Pferdemarkt verhinderte? Sich nicht dafür rechtfertigen müssen, warum die Gewerkschaften ein erkämpftes ArbeiterInnenrecht nach dem anderen an die Bosse verschachern?
Wir lassen uns den Mund nicht verbieten!

Für einen solidarischen, revolutionären 1.Mai!

Bündnis „Streichen bei den Reichen!“

10 Uhr - Bahnhof/Kaiserstraße
unabhängiger, internationalistischer Block auf der 1. Mai Demonstration
anschließend Straßenfest beim Alhambra