Antifa aktuell April 2000
Ein Projekt der Antifaschistischen Aktion Oldenburg

Berlin Naziaufmarsch 1017
Am 12. März demonstrierten ca. 300 Nazis unter dem Motto:“ Mein Freund ist Österreicher!“ durch Berlin. Zum 62. Jahrestages des „Anschlusses Öster-reichs“wollte die NPD ihre Solidarität mit Haider bekunden. Nachdem es in der letzten Zeit kaum Aktionen gegen Naziaufmärsche in Berlin gab, wurde ihnen diesmal Allerlei entgegengrbracht. Schon am Sammelplatz wurden die Nazis mit Pfiffen, Parolen und Gegenständen empfangen. Gleichzeitig versammelten sich am Moritzplatz in Kreuzberg rund 1000 Antifas, woraufhin die Bullen die Naziroute kurzfristig abänderten. Also machten sich die Antifas auf den Weg. Dort angekommen, wurde versucht die Nazis zu stoppen. Steine, Flaschen, Fahrräder und allerlei anderes flogen in den Aufmarsch. Die Bullen, von denen übrigens insgesamt 1500 die Nazis schützen sollten, prügelten mit mit Hilfe von Knüppeln und Wasserwerfen der NPD den Weg frei. Gleichzeitig demonstrierten rund 7000 Leute eines sehr breiten Bündnisses vor der Ost-Seite des Brandenburger Tores, friedlich und unter Bullenaufsicht, während auf der West-Seite die Nazis ihre Abschlußkundgebung abhielten.

De Haan, Köln & Hamburg Staatsterror gegen Kurdistan-Soli
Am frühen Morgen des 25. Januar wurden in der belgischen Stadt De Haan auf Ersuchen der deutschen Bundesanwaltschaft von Sondereinheiten der belgischen Polizei unter BKA-Beteiligung acht Leute aus der deutschen Kurdistan-Solidaritätsarbeit, darunter auch MitarbeiterInnen der Informationsstelle Kurdistan, vorübergehend festgenommen. Anschließend wurden in Köln und Hamburg einige ihrer Privatwohnungen und Büros, darunter auch das Büro der Kurdistan-Solidarität Hamburg, unter Leitung des BKA durchsucht. Computer und Disketten wurden beschlagnahmt, Dateien und z.B. öffentlich zugängliche Internetseiten kopiert. Die Durchsuchungsbefehle sind mit der angeblichen ”Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung nach §129a” begründet.

Wien Anti-FPÖ-Demos beim Opernball
Die donnerstägliche Demonstration gegen die blau-schwarze Regierung war diesmal mit einem antifaschistischen Faschingstreiben rund um den Opernball verbunden. Zumindest am Anfang beteiligten sich daran rund 12.000 bis 15.000 Menschen. Die Demonstration führte vom Ballhausplatz quer durch die. Das Konzept, die Oper je nach von polizeilichen Absperrungen gebotenen Möglichkeiten zu umkreisen, konnte nicht realisiert werden. Während es an einer Polizeisperre mit einiger Mühe noch gelang, die Demo geschlossen an der Sperre abzulenken und weiterzuführen, teilten sich die DemonstrantInnen beim Karlsplatz auf die zur Oper führenden Straßen - Kärntner Straße und Operngasse - auf. Etliche zogen auch in Richtung Opernring weiter, um sich von dort der Oper zu nähern. Einigen dieser DemonstrantInnen gelang es die Zufahrt von Ballgästen empfindlich zu stören. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der DemonstrantInnen dürfte auch den Heimweg angetreten haben. Ab etwa 21.00 Uhr war die Demonstration auf mehrere Kundgebungen rund um die Oper aufgesplittert. An den polizeilichen Absperrungen - bestehend aus Tretgittern und mitunter mehreren Reihen von PolizistInnen mit Helm, Schlagstock und Schild - kam es zu lautstarken Missfallenskundgebungen. Versuche, die TeilnehmerInnen dieser aufgesplitterten Kundgebungen zu einem neuen, gemeinsamen Sammelpunkt zu bewegen, scheiterten. Um ca. 22.00 Uhr ließ sich ein als Adolf Hitler verkleideter antifaschistischer Schauspieler in einem Luxuswagen zur Staatsoper chauffieren, stieg aus und ging in die Oper. Dort wurde er allerdings verhaftet. Ebenso verhaftet wurde sein Chauffeur, ebenfalls Schauspieler. Während es bei den Opernballdemo-nstrationen der Jahre 1987-1990 stets ab 22.00, dem Zeitpunkt der Balleröffnung, zu brutalen Polizei-Prügeleinsätzen gekommen war, verhielten sich die Beamt-Innen diesmal an den Sperren relativ ”friedlich”.

Amholz Neues Nazihaus in Niedersachsen
Seit kurzem hat ein Gutshaus in Amhaolz in der niedersächsischen Gemeinde Teldau neue Hausherren. Der Hamburger Neonazi-Führer Thomas Wulff und der Lüneburger Neonazi Michael Grewe haben.das Anwesen an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern für angeblich 300.000 Mark gekauft. Zu einem Zweck: »Man kann sich vorstellen, dass es .da bald Schulungen geben wird«, glaubt selbst der Hamburger Verfassungsschutzchef Reinhard Wagner Seit die Polizei im Februar 1998 das Neonazi-Zentrum »Hetendorf Nr. 13« in der Lüneburger Heide geschlossen und das niedersächsische .Innenministerium mit der Auflösung der Hetendorfer Trägervereine um .den Hamburger Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger das Anwesen beschlagnahmt hatte, waren die norddeutschen Kamerad-Innen auf der Suche nach einem neuen Versammlungsort. Momentan ist die zweistöckige Villa noch in eher baufälligem Zustand; die Instandsetzung der maroden Bausubstanz dürfe kostspielig werden. Nur das Dach haben Wulff und Grewe zusammen mit ihren KameradInnen selbst gedeckt. Regelmäßig fahren die von Wulff, dem Ex-Vorsitzenden der verbotenen Nationalen Liste, geführten Freien Nationalisten an den Wochenenden zu dem Anwesen und arbeiten an dem Haus. (Quelle: Rechter Rand Nr. 63)

Klein Gladebrügge 700 Naziskins bei Konzert
Mehr als 700 rechte Skins haben sich am Samstag, dem 26.2., im schleswig-holsteinischen Klein Gladebrügge anlässlich des 70. Todestags von Horst Wessel versammelt. Sascha Bothe, Leiter der „Blood & Honor, Sektion Nordmark“, hatte Räume in einem Gasthaus in dem Dorf bei Bad Segeberg für eine „private Geburtstagsfeier“ gebucht. Mit gleicher Tarnung mietete er die „Heidehalle“ in Wesel an, um ein Konzert mit den Nazi-Bands „Stahlgewitter“ und „Landser“ zu Ehren des „nationalsozialistischen Helden“ zu veranstalten. Nachdem die Polizei es in Wesel verbot, leiteten die Veranstalter die Nazis per Handy und Internet-Chatrooms nach Klein Gladebrügge um.

Northeim Nazi-CD´S beschlagnahmt
Ende Februar wurde mal wieder das Haus des Nazis Thorsten Heise in Northeim durchsucht. Doch diesmal war nicht seine, sondern die Wohnung eines 34-jährigen „Kameraden“ das Ziel. Dort wurden 1540 Nazi-CD`s, sowie mehrere Cassetten beschlagnahmt. Das beschlagnahmte Zeug soll einen Verkaufswert von 80 000 Mark gehabt haben.

Deutschland 1. Mai-Demo der NPD in Irgendwo
Die NPD meldet eine ”bundesweite Demo am 1. Mai” nach der anderen an. Anmeldung Nummer1: Zentrale 1.Mai-Kundgebung, für die deutschlandweit mobilisiert wird, in mittelhessischen Wetzlar ( bei Giessen ). Stattfinden soll ein Demonstrationszug sowie eine Kundgebung, auf der der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt, der JN-Landesvorsitzende Andreas Schmitt, der „Rechtsanwalt“ Horst Mahler und der Naziliedermacher Frank Rennicke ihre faschistische Propaganda unters Volk bringen wollen. Anmeldung Nummer 2: Deutschlandweite Demo des ”Nationalen Widerstandes” am 1. Mai in Hannover. Thema soll deutsche Arbeit und was gegen die EXPO sein. Anmeldung Nummer 3: Bundesweite Demo unter dem Motto ,,Arbeit zuerst für Deutsche’’ im Berliner Bezirk Hellersdorf. Die NPD hat dort für den 1. Mai 2000 eine Demonstration angemeldet. Naja, mal schaun wo sie hingehen- spannend wird es auf jeden Fall!

Erfurt Naziaufmarsch 1018
Mit Hilfe eines großen Polizeiaufgebotes konnten am 26. Februar in Erfurt rund 400 Neonazis marschieren. Rund 200 Menschen versuchten mehrmals die Route der Nazi-Demonstration zu blockieren. Auf der Brücke in der Schlösserstraße gelang dies kurzzeitig. Aufgrund von mehrmaligem Schlagstock- und CS-Gas-Einsatz der Bullen gab es mindestens 20 Verletzte. Im Anschluss an die Nazi-Demo versammelten sich nochmals 150 Antifas zu einer Spontandemonstration.

Heidelberg Demo für ein neues AZ
Am 12. Februar 2000 demonstrierten 1100 Menschen für ein neues Autonomes Zentrum in Heidelberg. Vor rund einem Jahr wurde das alte AZ geräumt. Während der Demo kam es desöfteren zu Angriffen und Provokationen der Bullen. In der Nacht nach der Demo wurden zwei Polizeiwannen und zahlreiche Schaufenster gesmasht, fünf Polizisten verletzt und ein Molli auf das Rathaus geschmissen. Um der Forderung nach einem neuen Zentrum Ausdruck zu verleihen, besetzten mehrere Leute ein Haus, das jedoch schon am nächsten Tag von den Bullen wieder geräumt wurde.

Lilienthal Hakki in die Türkei abgeschoben
Nach einer rassistischen Hetzkampagne in den Medien und auf den Strassen von Lilienthal bei Bremen brachen am 25. Februar ca. 30 Bullen ins Kirchenasyl im evangelischen Jugendheim ein, um den 17-jährigen Kurden Hakki Yildirim festzunehmen. Hakki wurde ins Abschiebgefängnis Hameln gebracht und wenige Tage später abgeschoben Hakki Yildirim und sein älterer Bruder Garbi waren Mitte 1991 aus Kurdistan nach Deutschland geflohen und in Bremens Spechgürtel Lilienthal gelandet. Bereits 1999 wurde Garbi Yildrim trotz starker Proteste abgeschoben. Um seine Abschiebung zu verhindern, begab sich Hakki, unterstützt von FreundInnen und Antira-Gruppen, ins Kirchenasyl. Daraufhin hetzten die lokalen Zeitungen gegen Hakki, die gutbürgerliche Liliethalerin Melitta Manke startete eine Unterschriftenliste für seine Abschiebung und Nazis drohten, das ev. Jugendheim und Hakki „in Flammen auf(gehen)“ zu lassen. Am 26. 2., einen Tag nach der Stürmung des Kirchenasyls, gab es eine Spontandemo mit 100 Leuten in Lilienthal und mit 60 Leuten vor der JVA Uelzen, in die Hakki zuerst verfrachtet wurde. Die Demo in Lilienthal wurde angepöbelt, mehrfach versuchten gute BürgerInnen Demoteil-nehmerInnen anzufahren. Am 4. März protestierten erneut rund 150 Menschen gegen die Abschiebung von Hakki. Zwei Wochen später waren dann 300 Leute auf der Straße, um gegen den staatlichen Rassismus und den (Lilienthaler) BürgerInnenmob zu demonstrieren.

Braunschweig Naziaufmarsch 1019
Am 4. März marschierten etwa 300 Nazis von über tausend Bullen wohl behütet durch Braunschweig. An der antifaschistischen Gegendemo, die weit ab vom Aufmarsch stattfand, beteiligten sich rund 1000 Menschen. Die Bullen verteilten mehrere hundert Platzverweise an Antifas, die versuchten, sich dem Naziaufmarsch zu nähern. Es kam zu diversen Festnahmen.