Hilfe, unser Hüttendorf steht leer
- wenn ihr nicht einzieht, ziehen wir aus

Seit einem Jahr haben wir jetzt unser neues Hüttendorf gegen die A33 auf der Trasse. Wir hatten einen politisch nicht besonders aktiven aber dennoch ganz netten Sommer mit Ausruhen, nix geregelt kriegen und “Wundenlecken“. Für manche Leute, die neu dazukamen, waren wir wohl ein bißchen merkwürdig, weil sie wohl erwarteten, daß wir nicht so sehr mit uns selbst beschäftigt sein sollten, und stattdessen auf mehr “Aktionismus“ (?) oder “Aufeinandereingehen“ (?) hofften. (ach sagt doch bitte, was euch so frustriert hat.) Darauf sind wir - teils weil wir es nicht gemerkt haben, aber auch, weil wir so’n bißchen Urlaub brauchten - nicht eingegangen. Außerdem gab’s nen ziemlich krassen Streit, woraufhin erst mal die Hälfte der auf dem Platz Lebenden ausgezogen ist. Natürlich sind nicht alle, die im Laufe der Zeit ausgezogen sind, wegen dieses Streits gegangen, es gab viele Gründe, die wir aber wahrscheinlich nicht alle gesagt bekommen, bzw. verstanden haben. Auf jeden Fall hocken wir jetzt völlig vereinsamt im Wald und kriegen immer noch nicht besonders viel auf die Reihe und stehen stattdessen vielmehr oft genug kurz davor, in Selbstmitleid zu zerfließen. Die übliche Szeneunterstülzung gibts zwar immer noch, was bedeutet, hin und wieder mal turn paar Stunden oder läge Besuch zu bekommen, aber der so nötige “Kick“ bleibt aus.
Ach Scheiße, eigentlich wollten wir soviel machen. Momentan sieht es tatsächlich so aus, als hätten wir den Platz hier durchgesetzt, was bedeutet, daß dieses Hüttendorf eine unendlich lange Perspektive haben kann.(1) Was für tolle Möglichkeiten sich da auftun, in so einem Zeitraum müßten wir uns eben nicht damit abrinden “nur“ ein Hüttendorf zu haben, hier könnten wir langfristig angelegte Sachen ausprobieren und neben einer Kläranlage, alternativer Energie und dem ganzen anderen Überlebenskram auch ein neues Anlaufzentrum für Leute aus der Region werden. Vielleicht mit nem linken Jugendzentrum, einer Kneipe, einem Infoladen, einem neuen Anti-A33-Aktionsbüro (über das alte haben wir in unseren letzten Bulletins geschrieben). Also, wo bleibt Ihr ??
Wir können zu dritt nicht dafür sorgen, daß hier ständig Aktionen zu konsumieren sind, wir brauchen Euch dafür und zwar nicht nur während dieser, sondern immer.
Bei unserem gestrigen Plenum sagte ein bald Ex-Bewohner unseres Dorfes, tja nun haben wir uns also hier einen Platz geschaffen und wollen, daß er ein Freiraum ist, aber wir füllen ihn gar nicht aus, er ist also ein Hohlraum. Das trifft unsere jetzige Situation auf den Punkt. Wir leben in ein paar Wochen hier nur noch zu dritt und uns fehlt leider allen die Power, mehr als das bloße Überleben(2) geregelt zu kriegen. Klar, hier mal’n Bulletin, da mal ne kleine Aktion, aber im Großen und Ganzen passiert nix, was über Spülen, Brennholz machen und Einkaufen hinaus geht. Und um vor uns selbst nicht zu blöd dazustehen, stilisieren wir diese so nebensächlichen Tätigkeiten zu unseren persönlichen Tageshöchstleistungen hoch. Das liegt nicht nur allein am “Leutemangel“ und dem daraus resultierenden Zeitmangel, sondern auch an einer komischen Fruststimmung. Warum und wieviel Motivation uns fehlt, konnten wir im Konsens nicht beschreiben, deswegen jetzt ein Auszug aus ner Runde:
a) Ich bin von dem Projekt nicht überzeugt, statt über Maßnahmen diskutieren wir über Motivation, aber auch mir fallen erst mal keine Maßnahmen ein. Ich sehe es auch nicht als Aufgabe des Projekts, mir Motivation zu geben, entweder ich habe sie, oder ich habe sie nicht. Da ich sie nicht habe, mache ich halt was anderes.
b) Die mangelnde Motivation zeigt sich daran, daß auf diversen abendlichen Plenas ernsthaft diskutiert wird, manchmal Probleme analysiert werden. Ziele allgemeiner und konkreter Natur bestimmt werden, trotz Bierkonsums, diverser Szeneablästereien, sowohl spaßhafter als auch nervender verbaler Einwürfe, manche Plenas damit enden, konkrete Aktivitäten zur Umsetzung dieser Ziele zu beschließen, und sich gegenseitig die Umsetzung dieser Ziele vergewissernd ernsthaft Arbeitsaufträge an Plenumsteilnehmerinnen verteilt werden, wobei alle die Kiste Bier leeren in dem Bewußtsein: “Jetzt gehts los, wir haben’s geschafft, Krise vorbei, es geht voran !“. Innerhalb der letzten 1,5 Jahre - insbesondere im letzten halben Jahr- war eindeutig zu erkennen, daß die Arbeitsaufträge meistens gar nicht (Ostercamp), einige zu spät, einige unzureichend (Kommunalwahlkampagne, Sommercamp) und kein Arbeitsauftrag so umgesetzt wurde, wie es aufgrund der Plenumsatmosphäre bei einem motivierten Projekt eigentlich zu erwarten gewesen wäre. Das ist keine Kritik daran, daß viele Leute bei der Planung der Ziele in ihrem eigenen Engagement kurzfristig überschätzen. Es ist eine Beschreibung der Gruppe, in der es derzeit keine Person gibt, die so engagiert ist, mal die anderen zu fragen: “Warum hast Du denn das nicht gemacht?“ Statt dessen, so habe ich es bei mir selbst gemerkt, ist die glorreiche Nichtumsetzung der besprochenen Plenumsaufgaben eine wunderbare Ausrede dafür, die eigene übernommene Aufgabe auf den Tag nach der Räumung zu verschieben. Die potentiellen Mitmacherinnen mögen hieraus ersehen, wie schwierig es ist, diesem Begräbnisinstitut wieder Leben einzuhauchen, aber verdammt noch mal, sowohl ich als auch alle dürfen ja mal ein bißchen an den eigenen Ansprüchen scheitern - es gibt ja noch Dich/Euch, um uns zu helfen.
c) “Alles Scheiße!“ Der Winter ist vorbei, die Tage werden länger, mein Ofen qualmt nicht mehr, weil ich brauche ihn nicht mehr anzumachen, mir geht es supergut und jetzt geht’s los. Nur mit wem?
d) Eigentlich weiß ich gar nicht, ob ich wirklich noch so frustriert bin, wie ich vor ein paar Tagen war. Ich beschließe hiermit einen sofortigen Fruststop bei mir und habe Vorsätze, mehr geregelt zu kriegen. Ich weiß nicht, ob’s klappt, ich bin nur so selten im Hüttendorf, weil ich total bürgerlich jeden Tag arbeiten gehe und abends müde zurückkomme. Natürlich versuche ich nicht, meine Stimmungsschwankungen mehr als nur oberflächlich (gutes Wetter, gelungene Aktion, netter Besuch, gutes Gespräch) zu reflektieren, ich will meine gute Laune einfach nur genießen, ohne mich damit auseinandersetzen zu müssen, woher die jetzt kommt. Das ist dann meistens so ernüchternd, daß ich mich direkt wieder scheiße fühle.
e) demotiviert. Demotiviert, beschäftige mich aus lauter Frust mit der Wohlfahrt im gesamtökonomischen Kontext (Wohlfahrtsökonomie anner Uni). Entweder mir fällt jetzt noch was Cooles ein, oder ich höre auf.
Aufgrund dieser Situation ist keine weitere Existenz des Hüttendorfs mit der schrumpfenden Besetzung denkbar, nur wenn sich Personen(3) finden, die hier einziehen oder das Hüttendorf übernehmen wollen, kann es weitergehen. Dann wird es auch weitergehen, denn nach wie vor können wir uns nichts schöneres vorstellen, als in einem “funktionierenden(1)" Hüttendorf-Widerstand zu leben. Sollten neue Leute mit Lust auf Politik hier einziehen, kann es auch wirklich ein “revolutionäres“ Projekt werden, denn es ist nicht schwer, mit den eigentlich sehr guten Grundvorraussetzungen hier einen tollen Platz zu gestalten. Letztlich gilt das auch Für Leute / Szenen, mit denen ein Zusammenleben in der Vergangenheit nicht möglich war. Dieser Sinneswechsel kommt daher, daß wir aus eigenem Antrieb nicht in der Lage sind, den von uns erträumten und vorbereiteten Freiraum zu nutzen und aus-zufüllen. (Das Hüttendorf weiter aufrecht zu erhalten): ihr könnt daher ermessen, wie ernst die Lage ist. Falls die Gegensätze das Projekt blockieren, sind die jetzigen Personen bereit auszuziehen.
Das würde jedeMR von uns schwerfallen, aber schließlich sollte das Hüttendorf nicht nur Wohn - und Lebensprojekt für einzelne sein, sondern blabla-bla (nachzulesen in jedem einschlägigen Flugblatt über politische Funktionen von Nischen in der kapitalistischen Gesellschaft). Tja. besonders einladend ist dieser Brief wohl nicht, aber wir meinen es verdammt noch mal ernst und brauchen Eure Unterstützung, ach Quatsch, wird wahrscheinlich eher so aussehen, daß Ihr die Arbeit machen müßt und wir Euch eventuell unterstützen. Außerdem brauchen wir endlich mal Rückmeldung, ob Euch überhaupt was daran gelegen ist. daß es sowas wie Hüttendörfer wo und wogegen und wofür auch immer gibt und selbstverständlich besonders, ob Euch unseres wichtig ist.
Also, wenn das Ostertreffen kein voller Erfolg wird, war’s das mit dem Hüttendorf!!!

Kommt also ALLE zum Osterperspektivtreffen (Karfreitag bis Montag) ins Hüttendorf Sollten sich keine neuen Leute finden, laßt uns wenigstens eine nette Abrißparty feiern.............

(1) wenn Ihr nicht einzieht, ziehen wir aus
(2) sollten sich keine neuen Leute finden, war’s das mit dein Hüttendorf
(3 wenn Ihr nicht einzieht, ziehen wir aus.

Anti-A33-Hüttendorf, Stockkämperstr.22a 33829 Borgholzhausen
Infotelefone: 0172/5603161 oder 0170/4401663
GAAANZ WICHTIG: Ruft uns vor dem Treffen an und sagt, was Ihr von der Sache haltet, damit wir dafür sorgen können, daß sich Interessierte schon mal untereinander austauschen können.