Einladung zum Crossover Summer Camp, 3.-11. August bei Berlin



Wir gehen davon aus, dass sämtliche Macht- und Herrschaftsverhältnisse aufs engste miteinander verzahnt sind.

Deshalb machen wir u.a. Nation, Patriarchat, Kapitalismus, Heterosexismus, Antisemitismus und Rassismus in ihren Verschränkungen zum Thema.

Es geht uns dabei darum, neue Widerstandsperspektiven zu eröffnen.

Das Programm für das Camp umfasst politische Aktionen, Performances, Diskussionen, Theorieworkshops, Küchenarbeit, Tanzen, Musik, Aufräumen und noch viel mehr.

Ziel des Ganzen ist, Leute aus unterschiedlichen politischen Richtungen zusammenzubringen, Schnittstellen zu finden, neue Bündnisse zu schaffen, an Interventionsformen zu arbeiten und damit neue Impulse für eine radikale, emanzipatorische, libertäre, linke, antirassistische, feministische... politische Praxis zu geben.

Wir suchen noch UnterstützerInnen und MitstreiterInnen.

Ihr seid herzlich eingeladen ! Die OrganisatorInnen

Selbstdarstellung des Crossover Summer Camp Projekts
Was wir wollen:

Unser Ausgangspunkt ist die Überzeugung, dass all die verschiedenen gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsverhältnisse untrennbar miteinander verknüpft sind und sich wechselseitig durchdringen und oft stabilisieren. Daraus wollen wir praktische Konsequenzen ziehen.

Unser Ziel ist es, zum Aufbau einer neuen Konstellation politischer Strömungen beizutragen. „Neue Konstellation" heisst für uns:

Endlich sollen antisexistische Positionen nicht mehr von (Pro-) Feministinnen gegen den passiven oder aktiven Widerstand der Mehrheit durchgekämpft werden müssen, sondern selbstverständlich sein; und endlich sollen Männer aus eigener Initiative pro/feministische Politik machen.

Wir wollen ein Ende der Dominanz der heterosexuellen Kultur in der radikalen Linken, für die Schwule unterhaltsame bunte Einsprengsel sind, in der Lesben nahezu unsichtbar und Zwitter und Transgenders höchstens Objekt wissenschaftlicher Neugierde sind.

Unter dieser neuen Konstellation stellen wir uns ausserdem eine vor, in der migrantische und jüdische Leute, people of color… (egal, an welchem Ort aufgewachsen) selbstverständlich sind; wo die Umgangsformen und die Sprache der Mehrheitsgesellschaft nicht die Norm sind und weisse AntirassistInnen sich mit ihren eigenen Rassismen praktisch auseinandersetzen und ihre Motivationen transparent machen, statt nur für und über die sogenannten Unterdrückten zu sprechen.

Nicht zuletzt wollen wir ein Bündnis, wo Mittelschicht-Sprache und -Umgangsformen nicht die unhinterfragte Norm sind.

Es geht uns nicht darum, eine Gruppe zu idealisieren oder zu dämonisieren, sondern darum, Normen in Frage zu stellen.

Wir glauben nicht, das wir gesellschaftliche Strukturen einfach durch ein paar Verhaltensänderungen auflösen können. Aber uns über Umgangsformen und Sprache bewusst zu werden und daran zu arbeiten ist ein wichtiger erster Schritt. Wir wollen Leute zusammenbringen, die sich selbst UND die äusseren Bedingungen verändern wollen; wir wollen nicht nur Machtnetze angreifen, sondern bestehende widerständige Netzwerke stärken und neue aufbauen.




Wer wir sind:

Die Vorbereitungsgruppe des Crossover Sommercamp Projekts hat sich auf der Crossover Conference im Januar diesen Jahres in Bremen neu gegründet. In unserem Netzwerk sind Leute, die auf der Conference dazu gekommen sind und Leute aus dem „alten" Sommercamp Projekt, die ursprünglich ein anti-sexistisches, anti-rassistisches Sommercamp geplant haben und später die Crossover Conference mitorganisiert haben.

Viele von uns kennen sich aus linksradikalen und feministischen Zusammenhängen in Deutschland und Polen. Die meisten von uns haben einen deutschen Pass. Momentan sind wir zu 90% FrauenLesben. Wir kommen aus unterschiedlichen politischen Generationen, und auch was unsere soziale Herkunft und aktuelle Klassenlage betrifft gibt es Unterschiede. Unser Zusammenhang ist jedoch ansonsten noch gar nicht so gemischt, wie wir es gerne hätten.

„Crossover" - der neue Name des Projektes:

Auf der conference in Bremen stellten wir fest, dass der ehemalige Name des Projekts („anti-sexistisches, anti-rassistisches Sommercamp") unseren Vorstellungen nicht gerecht wird, da in ihm nur zwei Herrschaftsverhältnisse benannt werden.

„Crossover" bedeutet übersetzt soviel wie „Kreuzungsstelle" und/oder „Überschneidung". Mit diesem Namen wollen wir zum Ausdruck bringen, dass Macht- und Unterdrückungssysteme (Patriarchat, Kapitalismus...) niemals voneinander getrennt, sondern eng miteinander verbunden sind.

Wir bevorzugen eine positive und inhaltliche Definition davon was wir wollen und eine Beschreibung unserer Strategien anstelle der Ablehnung dessen, was wir nicht wollen (anti-...). Zum Beispiel ziehen wir eine positive Bezugnahme auf Feminismus dem Begriff Antisexismus vor.

Wie wir uns organisieren:

Das alte Projekt traf sich ab August 2000 etwa monatlich an verschiedenen Orten, meistens in Berlin oder Bremen und einmal in Warschau. In dieser neuen Phase des Projektes, in der die Leute im Netzwerk von Spanien bis Polen über Europa verstreut sind, stützen wir uns verstärkt auf lokale Treffen und e-Mail-Kommunikation.

Eine separate, koordinierte Organisierung von MigrantInnen bzw. People of color im Rahmen einer gemeinsamen Vernetzung können wir uns genauso gut vorstellen wie eine engere Zusammenarbeit.

Dass sich FrauenLesben im Rahmen der Campvorbereitung und auch auf dem Camp separat organisieren können, steht für uns ebenfalls ausser Frage.

Die Frage des Umgangs miteinander finden wir sehr wichtig und wir wollen definitiv etwas anderes als das politmackerhafte Rumgepose, das wir aus vielen linken Zusammenhängen so gut kennen. Wobei das nicht die einzige Form von Männerdominanz ist - beziehungsweise von Dominanz überhaupt -, die uns stört. Wir bilden uns aber nicht ein, „die Lösung" gefunden zu haben, das heisst wir sind offen für neue Ideen und Umgangsformen.

Sprache:

Wir sind uns bewusst, dass Sprache Distanzen und Ausschlüsse erzeugen kann.

Wir wollen eine für möglichst viele Leute verstehbare Sprache benutzen um Verständigungschwierigkeiten und die dadurch entstehenden Wissens- und Machthierarchien zu verhindern. Auch in diesem Sinne ist uns eine Atmosphäre wichtig, in der es leicht fällt Fragen zu stellen und Kritik zu äussern.

Transnationalität und Sprache:

Eine von möglichst vielen verstehbare Sprache bedeutet im Sinne der angestrebten Transnationalität des Camps auch, dass hoffentlich viele der Workshops auf englisch stattfinden werden, und dass wir für alle vertretenen Sprachen UbersetzterInnen organisieren wollen.

Alter und „special needs":

Uns ist eine gemischte Altersstruktur wichtig; das könnte bedeuten, dass wir sowohl „EinsteigerInnenworkshops" anbieten als auch, uns in der Vorbereitung darum bemühen, einen Ort für das Camp zu finden an dem eine Unterbringung für Menschen, die aus welchen Gründen auch immer nicht in Zelten schlafen wollen/können, möglich ist. Am besten wäre deshalb ein Tagungshaus mit einer angrenzenden Wiese.

Worum soll es gehen?

Wir streben eine grosse thematische Vielfalt auf dem summercamp an. Für uns bedeutet das unter anderem Auseinandersetzungen mit Nation, Patriarchat, Antisemitismus, Heterosexismus, Kapitalismus und Rassismus. Wir finden es wichtig, von Anfang an strukturelle Verknüpfungen zwischen einzelnen Macht- und Herrschaftsverhältnissen herzustellen. Zum Beipiel indem der innere Zusammenhang von Männlichkeit, Heterosexismus und Weißheit thematisiert wird. Welche der unzähligen möglichen Verbindungen zum Thema werden, hängt ganz entscheidend davon ab, was Ihr einbringt. Was wir unter all diesen Schlagwörtern inhaltlich begreifen, das ist in einem kurzen Text wie diesem einfach nicht darstellbar. Aber wir haben vor, eine Art Reader aus Texten und Thesenpapieren zu erstellen.

Wir wollen keine Sommeruni, aber auch kein reines Aktionscamp, sondern ein Crossover zwischen „Theorie" und „Praxis".

Schliesslich ist unser langfristiges Ziel die Aufhebung der Trennung von Kopf- und Handarbeit.

Wir wollen die Verknüpfung von Theorie und Praxis in allen möglichen Formen: von Tanz, freiem Schreiben, Wendo/Selbstverteidigung bis zu direkten Aktionen.

Camp Culture ?!?

Wir hoffen, dass das summercamp ein Schauplatz für Performances (z.B. Film, Musik, Artistik), subversive Kultur und kulturelle Subversion wird. Das nicht nur weil´s Spass macht - was als Begründung ja schon ausreichend wäre -, sondern weil wir Kultur als `politischen' Raum begreifen; einen Raum, in dem die Gesellschaft auf vielgestaltige und zum Teil konfliktträchtige Weise ihre Wissensbestände, ihre Normen und Werte, ihre Denk- und Empfindungsstrukturen wiederholt und immer wieder erneut herstellt.Ein Teil von radikalem Widerstand ist deshalb selbst in die kulturelle Produktion einzusteigen - auf dass die herrschenden Muster des Sehens, Hörens und Empfindens subversiv unterlaufen werden!

Spätestens jetzt werden so manche sagen, unser Programm sei definitiv nicht realisierbar. Dieser Einschätzung geben wir insofern Recht, als wir überhaupt nicht davon ausgehen, bereits beim ersten Summercamp alles realisieren zu können, was wir uns vorgenommen haben. Wir gehen davon aus, dass unser Projekt ein langfristiges ist, das langen Atem und viel Hartnäckigkeit erfordert. Bisher hat es aber auch Spass gemacht.

Was bedeutet Vorbereitungsgruppe?

Stress, harte Arbeit, Service-Leistungen für konsumierende TeilnehmerInnen...?

Wir sind keine Workaholics und wollen es auch nicht werden. Das was wir tun soll uns Spass machen. Wir teilen uns die anfallenden Arbeiten nach unseren unterschiedlichen Intressensgebieten und Zeitkapazitäten auf.

Selbstorganisation:

Auf dem Camp setzen wir auf die Selbstverantwortung der TeilnehmerInnen. So werden wir uns als „Orga-Gruppe" am zweiten Camp-Tag auflösen und die Organisation möglichst aller Aufgabenbereiche in die Hände der TeilnehmerInnen übergeben. Die dann entstehenden verschiedenen Aufgabengruppen werden wir mit unserem Vorwissen unterstützend zur Seite stehen. Zum Gelingen und zu der Gestalt des Campes tragen alle bei.

Beteiligung im Vorfeld:

Da wir mit unseren jetzigen Kapazitäten nur einen Bruchteil unserer Wünsche und Pläne verwirklichen werden, und ausserdem noch nicht so transnational und transethnisch sind, wie wir gerne wären, wünschen wir uns rege transnationale radikale Beteiligung an den Campvorbereitungen! (Es ist nie zu spät, einzusteigen!)

bis dann

Der Vorbereitungszusammenhang

P.S.


Crossover Seminar, die zweite.

19.-21. April 2002, Berlin

Wir gehen davon aus, dass sämtliche Macht- und Herrschaftsverhältnisse aufs engste miteinander verzahnt sind.

Deshalb machen wir u.a. Nation, Patriarchat, Kapitalismus, Heterosexismus, Antisemitismus und Rassismus in ihren Verschraenkungen zum Thema.

Es geht uns dabei darum, neue Widerstandsperspektiven zu eroeffnen.

Ziel des Treffens ist, Leute aus unterschiedlichen politischen Richtungen zusammenzubringen, Schnittstellen zu finden, neue Bündnisse zu schaffen, an Interventionsformen zu arbeiten und damit neue Impulse fuer eine radikale, emanzipatorische, libertäre, linke, antirassistische, feministische... politische Praxis zu geben.

Wir werden auf dem Seminar versuchen, einige auf der Crossover Conference im Januar 2002 in Bremen geführte Diskussionen zu vermitteln, aufzuarbeiten und fortzuführen. Das wird am Freitag abend und zum Teil am Samstag geschehen.

Darüberhinaus wird es am Samstag einige Workshops geben, in denen es darum gehen wird, den Zusammenhang unterschiedlicher Macht- und Herrschaftsverhältnisse zu verstehen und davon ausgehend Strategien für die politische Praxis zu entwickeln.

Auf der Abschlussveranstaltung am Sonntag soll es um zukünftige Projekte und Kampagnen gehen. Dort wird auch die Gestaltung des crossover summer camps im August 2002 noch einmal Thema sein.

Alle Veranstaltungen werden auf polnisch, spanisch, englisch und deutsch stattfinden.

Zeit: 19.-21. April 2002 Fr 19-22 Uhr, Sa 10-17 Uhr, So 11-14 Uhr

Ort: Schule für Erwachsenenbildung, Gneisenaustrasse 2a, 10961 Berlin


Es gibt eine englischsprachige e-mail Diskussionsliste sowie eine e-mail-Liste für alle die generell an Informationen über das Projekt interessiert sind.

Die meisten Protokolle der überregionalen Treffen des alten Projekts sind auf unserer Website auf deutsch und englisch veröffentlicht.

LINK 1:

Was meinen wir, wenn wir „linksradikal" sagen? Unser provisorisches statement zum Thema, ein work in progress.

(Hier wird noch gebaut)

LINK 2:

Was meinen wir, wenn wir „Feminismus" sagen? Unser provisorisches statement zum Thema, ein work in progress:

Unser Verständnis von Feminismus geht immer mit einer Herrschaftskritik und einer Kritik der bestehenden Verhält

das ganze und mehr ist zu finden auf www.summercamp.squat.net