Donnerstag, 15. Mai 2003
20.00 Uhr im Vortragssaal Kulturzentrum PFL

Veranstaltung zum 60. Jahrestag des
Aufstandes im Warschauer Ghetto

Eine Veranstaltung der Geschichtswerkstatt Oldenburg
mit Film und thematischer Einführung.

Das Warschauer Ghetto war das größte Europas. Ab Ende 1940 isolierten die deutschen Besatzer dort ca. 500 000 Jüdinnen und Juden . Isoliert von der Außenwelt und im Wissen um die einsetzenden Transporte in die Vernichtungslager formierten junge jüdische Frauen und Männer aus zionistischen, sozialistischen und kommunistischen Organisationen Mitte 1942 im Ghetto Kampfverbände gegen die deutsche Vernichtungspolitik. Am Beginn ihres bewaffneten Widerstandes hatten die Deutschen den größte Teil der jüdischen Bevölkerung Warschaus bereits ermordet. Die Zurückgebliebenen schworen sich, wie Emanuel Ringelblum, der Archivar und Chronist des Warschauer Ghettos berichtet, „nie wieder werden uns die Deutschen ungestraft hier wegbringen. Wir werden untergehen, aber die grausamen Eindringlinge werden mit ihrem Blut für unseren Tod bezahlen.“ Sie kämpften, um ihre ermordeten Angehörigen und Freunde zu rächen, um in Würde zu sterben und um die Weltöffentlichkeit zur Rettung der noch lebenden jüdischen Bevölkerung Europas aufzurufen. Der Aufstand begann am 19. April l943. Mehr als vier Wochen lang wehrten sich etwa fünfzehnhundert KämpferInnen, mit kaum mehr als Pistolen und selbstgemachten Bomben bewaffnet, unterstützt von sechzigtausend unbewaffneten Ghettobewohnerinnen. Ihnen gegenüber standen mit Maschinengewehren, Artillerie, Panzern, Kampfwagen und Flugzeugen ausgerüstete deutsche Soldaten, die einen erbarmungslosen Vernichtungskampf führten. Wer ihnen lebend in die Hände fiel, wurde entweder sofort erschossen oder in die Vernichtungslager deportiert.

Der Aufstand im Warschauer Ghetto prägte das Bewußtsein und die Motivation des darauffolgenden Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. Nach dem Krieg wurde das Signal für den jüdischen Widerstand, das von Warschau ausging, bedeutsam für das Selbstverständis und die Verfassung des Staates Israel.

Anläßlich des 60. Jahrestages will die Geschichtswerkstatt „Ausgegrenzte Geschichte - Geschichte der Ausgegrenzten“ mit einer Veranstaltung an den Aufstand erinnern. Nach einer Lesung aus Berichten über den Aufstand und Erinnerungen der KämpferInnen wird der preisgekrönte polnische Dokumentarfilm „Chronik des Aufstandes im Warschauer Ghetto“ von Jolanta Dylewska aus dem Jahre 1993 gezeigt, (ca. 60 min.) Marek Edelman, Führungsmitglied der Jüdischen Kampforganisation, der die Kämpfe überlebte, erzählt darin von den Tagen des Aufstandes.